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Standard Typ 115, Baujahr 3/1954

DÖKS Auto der Woche

Standard Typ 115, Baujahr 3/1954

Nachdem ich mich mit meinen Käfern dem Thema Standard langsam angenähert hatte (Automatic BJ 1969, FD-Export BJ 1962, FD-Export BJ 1955 und Standard BJ 1956), stolperte ich im September 2011 über ein Inserat auf der deutschen Käferplattform bugnet.de. Angeboten wurde ein 54er Faltdach-Standard in Mittelblau, Standort in der Nähe von Hannover. Es war Liebe auf den ersten Blick, nur halt erstmal eine Fernbeziehung. Wäre da nicht die Herbst-Veterama in Mannheim gewesen, die ich sowieso besuchen wollte. Eine Besichtigung war also schnell arrangiert.

Das Auto war in den 80ern buchstäblich vor der Presse gerettet und – mittelmäßig – restauriert worden. Die Lackierung war self-made mit diversen Mängeln, es war ein abenteuerlicher „Masse-“Kabelbaum inklusive ziemlich unsinniger Extrabohrungen eingezogen und die Benzinleitung ähnlich einem Gartenschlauch in Kunststoffschellen verlegt, die mit den Karosserieschrauben in der Bodenplatte mitgeschraubt waren. Aber ich wusste sofort, dass ich einen ungeschweißten und in den maßgeblichen Teilen originalen Standard vor mir hatte, der nicht wie die wenigen überlebenden Exemplare mit nachträglich gebohrten Zierleisten und Exportteilen „gepimpt“ worden war. Der Verkäufer zeigte mir auch Originalaufnahmen des Erstbesitzers, die bewiesen, dass er mit Faltdach geordert und ausgeliefert worden war. Nach (sehr) kurzer Bedenkzeit daheim entschloss ich mich, den Wagen zu kaufen.

Blieb die Frage des Heimbringens! Da ich mich mit dem Verkäufer auf Anhieb gut verstanden hatte, lieferte er einen wunderbaren Vertrauensbeweis: Anstatt komplizierter Überstellungskennzeichen „borgte“ er mir den Wagen (er war angemeldet und hatte gültigen TÜV). Also setzte ich mich frühmorgens in den Zug Richtung Hannover (mit dem Restbetrag in cash, weswegen ich gar nicht gut geschlafen habe). Der Verkäufer holte mich vom Bahnhof ab, wir erledigten die Formalitäten und am Nachmittag war ich schon auf der Autobahn unterwegs Richtung Hamburg. Mit dem Autoreisezug gings nach Hause, wo ich die deutschen Kennzeichen abnahm und mitsamt der Papiere wieder zurückschickte. Er war mein!

Nach der (völlig problemlosen) Einzeltypisierung bin ich zwei Saisonen mit ihm gefahren, bis mir klar wurde, dass ich Nägel mit Köpfen machen und die doch zahlreichen technischen und optischen Mängel beseitigen musste, um wirklich glücklich zu sein – am Kofferraumdeckel zeigten sich außerdem oben auf Höhe der Scharnierhalterungen außen hässliche Bläschen. Daher habe ich ihn im Laufe des Jahres 2014 komplett überarbeitet (danke an alle Unterstützer!), sprich komplett zerlegt (aber nicht abgehoben) und vom Profi innen und außen neu lackieren lassen. Weiters wurde die Bremse überarbeitet (neue Seile und neu belegt) und ein komplett neuer Kabelbaum eingezogen. Und auch ein paar Teile aus meiner Zubehörsammlung haben Verwendung gefunden…